Angelika Donhärl – Galerie artoxin – anlässlich der Ausstellung BREAK 2017
Digitale Handyzeichnungen 2014 – 2017
„Hans Gericke arbeitet seit seiner Studienzeit in zwei künstlerischen Bereichen parallel, die sich auf ihre Art gegenseitig befruchten und ineinander verflochten sind. Damit gemeint sind seine Leidenschaft für freie Malerei und Zeichnung und seine Arbeiten in der Goldschmiedekunst, die er von der Pike auf gelernt hat.
Aus diesem kreativen Schaffen heraus sind in letzter Zeit, genauer gesagt in den letzten drei Jahren, seine von ihm betitelten „Handyzeichnungen“ entstanden, die er auf dem Smart-Phone mittels einer Zeichen-App und seinen geübten Fingern zum Leben erweckt hat.
Angefangen als Spielerei, aber dann sehr ernst weiterverfolgt, wurden verschiedene Zeichnungen – schwarz-weiß, wie farbig – erschaffen. (...) Nimmt man digital wörtlich vom Lateinischen Digitus steht es für: den Finger betreffend oder mit dem Finger, und damit schließt sich für Hans Gericke der Kreis
Der Künstler meint dazu:“ es geht mir um die Durchdringung der omnipräsenten, digitalen Welt und darum, den persönlichen, individuellen Bereich zu retten. Die Gestik meiner Hand, geübt durch jahrelanges Zeichnen und Malen, bildet auf der elektronischen Oberfläche die digitalen Grafiken“
Bodenmalerei 1988 – 2016
In seinem Atelier (...) hat sich Hans Gericke seit 1988 seinen eigenen Raum geschaffen, (...) Hier, in den fast 30 Jahren der intensiven Arbeit an seinem Leinwandbildern haben sich auf den alten Holzdielen die Spure seines Schaffens abgezeichnet.
Erst vor kurzer Zeit hat Hans Gericke die „Essenz seiner Arbeit“ auf dem Fußboden entdeckt und gesehen, dass diese Spuren einen ganz eigenen Zauber entwickelt haben, ohne sein bewusstes Zuarbeiten. „Man lässt der Zeit ihren Lauf“ kommentiert der Künstler seine Entdeckung und fotografiert die Dielen aus sehr eigenem Blickwinkel. Die so entstandenen Arbeiten wurden in großem Format aufgezogen und geben nun den Blick frei auf Hans Gerickes fast 30-jähriges Schaffen in seinem Atelier.
Prof. Dr. Rainer Willy Hauck, Vorstand Kunstakademie Club Bad Reichenhall - anlässlich einer Ausstellung, Katalog 2009
(...) Arbeiten, die 2009 in seinem Atelier in Haidhausen entstanden sind. Es sind viele Übermalungen früherer, älterer Bilder dabei – für ihn nun Grundlage und Stoff neuer Inspiration. Er selbst formuliert seinen inneren Antrieb, der ihn zu immer neuen Bildern führt: „Transparenz und Transzendenz formulieren meine Sehnsucht die Grenzen des bewussten Wahrnehmens zu überschreiten, um die Bilder innerer Welten sichtbar zu machen. Der Klang der Farben als Ausdruck einer inneren Sprache, die keine Festlegung, sondern die größtmögliche Durchlässigkeit und Ausdehnung der Sinne zulässt.“
Gericke beeindruckt vom ersten Blick an durch ein tiefgreifendes Farbgefühl und eine innige Beziehung zu Licht. Seine Bilder entstehen ausschließlich aus der Umsetzung von Stimmungen und der Verarbeitung von Eindrücken, die er selbst durchlebt und erspürt hat. Er kennt keine vorgegebenen Themen oder Titel, sondern lässt seine Energie frei zur Leinwand kommen, wann immer durch Schauen und Abwarten die Kraft für die Umsetzung in Farbe erreicht ist. Das hierdurch einfließende Wechselspiel der Veränderung schafft die für seine Bilder charakteristische Freiheit – frei und befreit von konkreten Fixpunkten. Seine Arbeiten entfalten insbesondere im Licht ihre tiefgehende Vitalität. (...) Die freie Malerei, wie er sie betreibt, schafft bei jedem Licht und Standort des Betrachters neue Berührungen mit dem Kognitiven. Diese werden aber nur demjenigen zuteil der es sich frei hält zu sehen und das immer wieder anders.
Katalog zum Schmuck – Notiz Frankfurt
(Hans Gericke – Zeichnung als Ausdruck innerer Freiheit)
„Ich hab immer gehört, dass ich aufhören sollte zu zeichnen – das, was ich mache, sei nicht zeitgemäß.“ Hans Gericke, gebürtiger Hamburger, hat nicht aufgehört, und es interessiert ihn schlechthin nicht, ob seine Zeichnungen nun als zeitgemäß gelten oder nicht.
Eine solche Eigenständigkeit will mitunter auch er-trotzt sein. Sein Beruf verschaffte ihm einen gewissen Spielraum: Hans Gericke hat die Meisterprüfung als Goldschmied abgelegt und studierte danach noch in der Goldschmiedeklasse von […].
Seine Goldschmiedearbeiten sind sensibel, verspielt, ungewöhnlich. Doch schon auf der Akademie galt sein Hauptinteresse dem Zeichnen. Manchmal skizzierte er – wie er sagte – nächtelang in einem Zustand geradezu rauschhafter Besessenheit. In dieser Zeit wurde sein Stil lockerer, die Formen öffneten sich, Hans Gericke arbeitete sich frei.
Lockerheit und die Fähigkeit, Empfindungen unmittelbar umzusetzen, kennzeichnen noch heute seine Arbeiten. „Mir geht es aber nicht mehr um Befreiung, sondern um eine freie und doch charakteristische Wiedergabe von Menschen und Situationen, die ich erlebe.“
Auf dem Papier klären sich ihm Empfindungen, er erkennt Typisches, indem er es skizziert – in rasender Geschwindigkeit oft, durch das bloße Tempo schon Vorsicht und Kontrolle unterlaufend, zum raschen Arbeiten gezwungen, da er direkt aus der Situation heraus zeichnet.
Nicht Realismus, sondern die nervös-heftige Wiedergabe von Typischem wird angestrebt. Es bleibt nicht beim registrierenden, rein visuellen Eindruck – der ganze Mensch reagiert auf gegebene Situationen. Sich auf die umgebende Welt zu beziehen, ist nicht nur Voraussetzung seines Arbeitens – Hans Gericke umgeht auch sonst die Gefahr narzisstischer Selbstbezogenheit.
In den Räumen seiner ein Jahr jungen Haidhauser Galerie „Ventil“ (Kirchenstraße) führte er Goldschmiedekurse durch: wie er sagt, keine Ablenkung von Wichtigerem, sondern auch für ihn ein Gewinn, dadurch, dass er von seinen Erfahrungen weitergeben kann, dass er Befreiungsprozesse initiieren kann – bei anderen
Fritz Dumanski, 2019

